Thomas Faißt

 

“Ich bin überzeugt davon, dass in handwerklicher Arbeit etwas vom Produzenten, von der Produzentin spürbar wird. Wenn Du so willst, das Wesen, das Herz, die Hände.”

Lieber Thomas, stell dich bitte kurz vor: Wer bist du und was machst du bei Wald Kohle Kultur?

Wahrscheinlich waren es die schneereichen, strengen Schwarzwaldwinter in den frühen Sechzigern die aus meinem Wesen einen Feuermensch machten. Nach einem, im Allgemeinen ziemlich überbewertetem Lauf durch verschiedene Lehranstalten, Abschlüsse als Holzfäller und Waldingenieur. Danach schnurstracks die Position des Geschäftsführers im eigenen Einzelunternehmen angestrebt. Um es mit der Beschreibung einer meiner Söhne, auf die Frage in der Schule was sein Vater sei, zu sagen: „Schwarzarbeiter“ (er meinte natürlich Köhler, was dachtet Ihr denn😊)

 

Kannst du uns deine vielfältigen Tätigkeiten genauer beschreiben?

Nur so viel, alles andere würde zu lange dauern: meine Neugier und das Leben lehrten mich mehr als die oben erwähnten Berufe, nämlich u.a. Köhler, Kulturschaffender, Obstbaumpfleger, Lehrender, Schnapsbrenner, Geschichtenerzähler, Autor, Begleiter und Berater. Daraus wird, ausgehend von meinem Wohlsein und vor allem dem Wetter und den Jahreszeiten, meine Tages- und Wochenplanung bis hin zum Jahresablauf gewoben.

 

Eines deiner Standbeine: Der Beruf des Köhlers. Diese handwerkliche Herstellung von Holzkohle scheint heutzutage so gut wie ausgestorben. Wie bist du zu diesem heute seltenen Handwerk gekommen?

Ich führe fort, was einer meiner Ahnen, der Mitte des 19. Jahrhunderts als Wirtschaftsflüchtling nach Amerika auswandern musste, mir weitergab. Er war Holzköhler und musste seine Heimat, den Schwarzwald, verlassen, weil mit dem Aufkommen der Steinkohle, die Holzkohle für den Prozess der Eisenherstellung überflüssig wurde. Ich kam im selben Schwarzwaldhof wie er über hundert Jahre später zur Welt.  Erfahren habe ich die Verbindung zu ihm erst nach über zehn Jahren ahnungsloser Köhlerei, in mir drin war sie wohl schon immer. Bestimmung nennt man wohl so etwas.

“Aus dem Energieträger Holzkohle, mit welchem Tausende von Jahren, Erze zur Metallgewinnung geschmolzen wurden (und in manchen Ländern auf der Welt heute noch werden), bereiten heute Köchinnen und Köche Nahrungsmittel zu, und werden morgen Bäuerinnen und Bauern ihre Felder aufwerten und ihre Tiere gesünder ernähren und halten.”

 

Was unterscheidet deine Holzkohle von der industriell gefertigten, die man aus dem Supermarkt kennt?

Ich bin überzeugt davon, dass in handwerklicher Arbeit etwas vom Produzenten, von der Produzentin spürbar wird. Wenn Du so willst, das Wesen, das Herz, die Hände. All unsere Sinne nähren sich aus dem was wir sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen. Das ist unsere Seelennahrung. Ob die von mir hergestellte Holzkohle oder die Schnäpse aus meinen Destillationen, ich versuche im jeweiligen Entstehungsprozess so nah und so tief als mir möglich dabei zu sein. Nähe zu allen Elementen bedeutet das für mein Tun. Bei meinen Holzkohlen heißt das, von der Auswahl der Bäume im Wald, die ich fälle und vorbereite, bis zur fertigen Kohle in den Papiersäcken begleite ich durch meine Arbeit die Entstehung des Ergebnisses. Auf einer oberflächlichen Wahrnehmungsebene wird das durch größere Hitzeentwicklung, der Länge der Glutdauer und der Reinheit des Abbrandes meiner Holzkohlen spürbar.

 

Was hat Holzkohle mit Klimaschutz zu tun? Welche Rolle spielt für dich die Thematik der ganzheitlichen Nachhaltigkeit?

Holz- oder Pflanzenkohle, ein jahrtausendealter Teil der Kulturgeschichte von uns Menschen, kann und wird eine maßgebliche Rolle im Klimaschutz einnehmen. Als Köhler sehe ich mich auch als Vermittler dieser uralten Verbindung von uns zum Feuer. Ich kann durch mein Tun versuchen, einen Zusammenhang von unserer Vergangenheit – Gegenwart – und Zukunft herzustellen. Aus dem Energieträger Holzkohle, mit welchem Tausende von Jahren Erze zur Metallgewinnung geschmolzen wurden (und in manchen Ländern auf der Welt heute noch werden), bereiten heute Köchinnen und Köche Nahrungsmittel zu, und werden morgen Bäuerinnen und Bauern ihre Felder aufwerten und ihre Tiere gesünder ernähren und halten. Weitere Einsatzbereiche der Pflanzenkohle finden sich in der Filtertechnologie, im Bauwesen und vielem Anderen mehr. Natürlich ist das Verbrennen der Holzkohle das denkbar Ungünstige in Bezug auf Klimaschutz. Das Erlebbarmachen einer uralten Kunst und die heutigen Möglichkeiten mit dem Produkt Pflanzenkohle, mit neuen Technologien dienen mir als Apologie für mein Tun. Daraus erklärt sich, so denke ich, auch meine Haltung zu nachhaltigem Handeln! Siehe auch dazu https://fachverbandpflanzenkohle.org/

Wie groß ist die Nachfrage nach handwerklicher Holzkohle in der Gastronomie?

Meine Möglichkeiten in traditionellen Kohlenmeilern eine ausreichende Menge Holzkohle herzustellen, wird durch die große Nachfrage aus der Gastronomie zunehmend zu einem Problem für mich. Darum experimentiere ich mit einem Pyrolyseofen Kon Tiki um unabhängiger von der aufwändigen Köhlerei in Erdmeilern zu werden. Wir werden sehen, ich bin sehr gespannt.

 

 Welche Rolle hat für dich die Zusammenarbeit mit der Branche? 

Meine Neugier auf das Leben weiter zu nähren. Begegnungen mit Menschen die in ähnlicher Weise und Haltung wie ich ihre Arbeit verstehen und tun, und sich darüber austauschen.

 

Was sind die wichtigsten Punkte, die sich deiner Meinung nach in den kommenden Jahren innerhalb der Lebensmittelbranche, Gastronomie und Landwirtschaft verändern müssen und warum?

Also dazu habe ich natürlich kein Patent. Ausgehend von meinen Erfahrungen kann ich sagen, dass beharrliches Nachgehen einer inneren Haltung in seinem Tun, ein Höchstmaß an Lust, Wertschätzung, eigener und äußerer, und Wirkung erzeugt. Anders gesagt, an guten und sinnhaften Ideen nachhaltig dranbleiben.

 

Fotos:
Burkhard Riegels

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