Hofbesuch: Jens Wylegalla und Jule Winkler – Ahrensdorfer Kräuterwelt

Jul 9, 2020

 

Wir organisieren Hofbesuche im Berliner Umland, die sich speziell an GastronomInnen und LandwirtInnen richten. Wir möchten damit Wissen zu landwirtschaftlichen Anbaumethoden vermitteln, eine Diskussion über Produktqualität anregen und die komplexen Zusammenhänge aufzeigen, die hinter jeder Zutat stehen. Durch diese Hofbesuche bringen wir ErzeugerInnen und KöchInnen näher zusammen, und stärken das Verständnis füreinander.

 

Unser erster Hofbesuch, am 22. Juni 2020, führte uns zu Jens Wylegalla und Jule Winkler in die Ahrensdorfer Kräuterwelt, einem Gemüse- und Schafbetrieb. Jens und Jule pachten eine kleine Fläche und bauen eine Vielfalt an Salaten, Gewürzen, Kräutern und Gemüsesorten an. Dabei nutzen sie ausschließlich traditionell bewährte und historische Sorten. Diese sind robuster, und damit besser angepasst an den sandigen und trockenen Brandenburger Boden. Jens und Jule setzen keine Chemie, Gen- und Biotechnologie oder künstliche Dünger ein. Die Früchte haben länger Zeit zu reifen und entwickeln dadurch eine intensive Aromatik. Durch eine biologisch-dynamische Anbauweise schaffen sie es, die Bodenfruchtbarkeit stetig zu verbessern und trotz der schwierigen Anbaubedingungen widerstandsfähige Pflanzen zu kultivieren, die geschmacksvoll und nährstoffreich sind.

 

Ihre Erdbeeren liefern sie unter anderem dem Nobelhart & Schmutzig. Angebaut werden die Sorten Schneewittchen, Ananaserdbeeren, Malvina, Florence und Elianni. Die Erdbeerpflanzen bleiben 3 Jahre auf einem Schlag. Um Nematoden vorzubeugen, wird Bodenklee als Untersaat dazu gesät. Anfang Juni wird Stroh oder Wolle unter die Erdbeeren auf dem Boden verteilt. Dies beugt Pilzkrankheiten vor, da die Erdbeeren den Boden somit nicht berühren und keiner zu hohen Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Gleichzeitig wird die Wasserspeicherkraft des Bodens erhöht. Nach der Ernte wird das organische Material in den Boden eingearbeitet. Dies fördert den Aufbau von Nährhumus. Humus verbessert das Bodengefüge und fördert die biologische Aktivität, und trägt dazu bei, diesen sandigen Boden fruchtbarer zu machen.

 

Die Tomaten werden als vorgezogene Jungpflanzen in gefüllte Gräben mit Kompost, fermentierten Mikroorganismen, Schwefel, Bor und Wolle eingesetzt. Und dann so tief vergraben, dass nur zwei bis drei der obersten Blätter hinausschauen. Dadurch wird das Wurzelwachstum der Pflanzen angeregt. Die Pflanzen werden nicht zusätzlich beregnet. Dies bedeutet mehr Arbeit für die Pflanze, ist aber alles andere als schlecht: „der Geschmack der Frucht prägt sich über die Arbeit der Pflanze aus“, erklärt Jens.

 

Jens und Jule haben uns herzlichst aufgenommen und sich viel Zeit genommen, uns einen Einblick in ihre Arbeit zu ermöglichen. Dadurch entstanden spannende Gespräche und ein angenehmer Austausch. Dafür sind wir sehr dankbar!